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Lebensretter unter den Füßen

Geschrieben von Tobias Ludwig am .

„Wasser marsch“ im Ernstfall:
Lebensretter unter den Füßen
Wattenscheid, 28.08.2011, Christopher Becker (WAZ Wattenscheid)

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Der Löschzug Wattenscheid - Mitte der freiwilligen Feuerwehr Bochum überprüft am Mittwoch dem 24.08.2011 Hydranten im Wattenscheider Stadtgebiet.

Auf dem Bild: (v.l.) Sascha Neuser, Sebastian Herget. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.

Wattenscheid. Noch bevor der Übungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr Mitte um 19 Uhr beginnt, ertönt an diesem Abend zum ersten Mal der Alarmgong. Wer jetzt denkt, alle Floriansjünger würden urplötzlich, blitzschnell zu den Wagen rennen, sieht sich getäuscht: „Der Alarm gilt nur für die Berufsfeuerwehr gegenüber. Da haben wir nichts mit zu tun“, klärt Brandmeister Tobias Ludwig auf.

Bei einem solchen Einsatz übernehmen zwar die Freiwilligen an der Grünstraße die Bereitschaft von den Profis, doch da diese genauso schnell wieder zurück, wie sie ausgerückt sind, steht bei der Einheit 13 an diesem Abend Routine auf dem Programm: Hydranten-Prüfung. „Wir übernehmen diese Aufgabe von den Stadtwerken. In erster Linie geht’s darum, die Wasserspender auf ihre Tauglichkeit hin zu untersuchen. Für uns ist der große Vorteil, dass wir dadurch die Lage der in unserem Bereich vorhandenen Hydranten besser kennen lernen“, erläutert Unterbrandmeister Jan Jendruck vor der Abfahrt. Der 24-Jährige hat den Stadtplan mit den eingezeichneten Hydranten in der Hand.

Noch im Feuerwehrwagen auf dem Weg zu den ersten Prüfungsstellen rund um die Innenstadt der Alten Freiheit erzählen die Jungs in den blauen Einsatzuniformen auch von Problemen, die bei den Tests auftreten können, die weniger banal sind als falsch geparkte Autos. Da die Leitungen natürlich auch zur Wasserversorgung der Haushalte genutzt werden, kann es durchaus zu Anfeindungen kommen. Das Problem: „Die Haushalte nutzen in einem solchen Fall die Leitung vom Volumen her nicht vollständig aus. Das machen wir dann jedoch bei der Prüfung.
Die zu finden, ist nicht immer einfach: „Teils liegen schlichtweg falsche Eintragungen vor, oft werden Autos über den Hydranten abgestellt.“ Was bei einer solchen Übungsstunde ärgerlich ist, kann im Ernstfall Leben kosten. „Bei dem Brand zum Beispiel an der Hansa-straße waren die nächsten Hydranten sehr weit entfernt vom Einsatzort. So war der erforderliche Zeitaufwand zur Herstellung der Wasserversorgung recht hoch“, erinnern sich die beteiligten Feuerwehrleute an den letzten Großeinsatz. Die in die Erde eingelassenen Löschwasserzugänge gehören zu den stillen und fast unsichtbaren Lebensrettern, auf die es ankommt – wenn's drauf ankommt.

Dadurch löst sich Dreck, der dann im Spülbecken landet. In dem Fall bekommen wir immer ordentlich ´was zu hören“, schildert Jendruck. Bei der aktuellen Überprüfung ist jedoch vielmehr die zu große Gegenliebe das Problem. Noch während der Feuerwehrwagen auf seiner Route zu den ersten Hydranten an der Hochstraße ist, bildet sich eine Schlange von Kindern dahinter, die sich vom Blaulicht und dem romantischen Bild der Floriansjünger angezogen fühlen. Es ist nicht leicht für den Fahrer, der erst jüngst den Lkw-Führerschein hat, dabei die Ruhe zu bewahren. Auch, weil die Eisdiele an der Friedenskirche nicht ausreichend Platz zwischen den aufgestellten Sonnenschirmen gelassen hat. „Bei einem Rettungseinsatz stelle ich mir das wirklich problematisch vor“, analysiert Jendruck die Situation, bevor die Jungs erstmalig zur Tat schreiten.

Dazu muss der Deckel gelöst, ein Standrohr aufgesetzt, und der Hahn mit einem „Unterflurydrantenschlüssel“ aufgedreht werden – dicke Arme sind garantiert. Nach einer braunen, undefinierbaren Flüssigkeit kommt dann auch tatsächlich das Wasser. Der Unterbrandmeister hakt ab, okay, nächster Bitte. Das junge Team, alle sind Mitte zwanzig, wiederholt die Prozedur noch 17 Mal. Abgesehen von Dreck und Müll unter den Deckeln sind die Hydranten im Zentrum der Hellwegstadt in Ordnung – und können im Zweifel Leben retten.